Was ist MeshCore?
MeshCore ist ein freies, dezentrales Funknetzwerk für Textnachrichten und kleine Datenpakete auf Basis von LoRa-Funktechnik. Das Entscheidende dabei: Für die eigentliche Kommunikation werden weder Mobilfunk, Internet, WLAN noch ein zentraler Server benötigt. Geräte können direkt miteinander kommunizieren oder Nachrichten über mehrere Funkstationen weiterleiten.
Vereinfacht kann man es sich wie ein digitales Funknetz für kurze Nachrichten vorstellen:
Handy → Bluetooth → LoRa-Gerät → Repeater → Repeater → LoRa-Gerät → Handy
Dabei läuft die lange Strecke nicht über das Internet, sondern ausschließlich per Funk.
Woher kommt MeshCore?
MeshCore wurde von Scott Powell von Ripple Radios entwickelt. Nach seinen eigenen Angaben begann das Projekt Ende 2024. Sein Ziel war ein möglichst offenes und frei nutzbares Mesh-Protokoll, auf dem auch andere Entwickler eigene Geräte und Anwendungen aufbauen können. In den folgenden Monaten entstanden der eigentliche MeshCore-Kern sowie die grundlegenden Gerätefunktionen.
Das Projekt ist Open Source und steht unter der MIT-Lizenz. Der eigentliche MeshCore-Code darf also kostenlos verwendet, verändert und auch in eigenen Projekten eingesetzt werden.
Heute entwickelt eine größere internationale Community an MeshCore mit. Beispielsweise stammt auch die bekannte Android-/iOS-App von Liam Cottle.
Wie funktioniert MeshCore?
MeshCore verwendet meistens LoRa-Funkgeräte. LoRa steht für „Long Range“ und ist für relativ kleine Datenmengen über große Entfernungen bei sehr geringem Stromverbrauch ausgelegt.
MeshCore unterscheidet dabei verschiedene Aufgaben. Ein Companion ist normalerweise das Gerät eines Benutzers und wird beispielsweise per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Ein Repeater wird möglichst hoch aufgestellt und leitet Nachrichten anderer Teilnehmer weiter. Ein Room Server kann Nachrichten zwischenspeichern, sodass ein Teilnehmer sie auch später abrufen kann. Darüber hinaus kann MeshCore beispielsweise für Sensoren und Telemetriedaten eingesetzt werden.
Ein Beispiel:
Person A → Repeater A → Repeater B → Repeater C → Person B
Person A und Person B müssen sich dadurch nicht direkt per Funk erreichen können. Entscheidend ist, dass zwischen ihnen eine geeignete Funkstrecke über die Repeater vorhanden ist.
Genau deshalb sind hoch gelegene Repeater auf Bergen, Türmen, Gebäuden oder anderen erhöhten Standorten so wertvoll. Ein einzelner gut gelegener Repeater kann die Abdeckung eines MeshCore-Netzes erheblich vergrößern.
Wer darf MeshCore benutzen?
Grundsätzlich jeder. MeshCore ist weder Amateurfunk noch ist dafür eine Mitgliedschaft in einem Verein notwendig.
In Deutschland werden MeshCore-Geräte üblicherweise in für Short Range Devices (SRD) allgemein zugeteilten Frequenzbereichen betrieben, insbesondere im europäischen 868-MHz-Bereich. Für eine Funkanlage, die die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben einhält, ist keine individuelle Frequenzzuteilung und kein Amateurfunkzeugnis erforderlich.
Allerdings bedeutet „frei nutzbar“ nicht, dass beliebige Frequenzen oder Sendeleistungen erlaubt sind. Je nach Teilbereich gelten unterschiedliche Vorgaben beispielsweise bezüglich Frequenz, maximaler Sendeleistung und zulässiger Sendedauer beziehungsweise Kanalbelegung. Ein MeshCore-Gerät muss deshalb für die Region korrekt eingestellt werden. Auch die MeshCore-Dokumentation weist ausdrücklich darauf hin, die für das jeweilige Land zulässigen Frequenzeinstellungen zu verwenden.
Man braucht dafür also keine Amateurfunklizenz und kein eigenes Rufzeichen.
Was kann man mit MeshCore machen?
Typische Anwendungen sind:
- Textnachrichten zwischen einzelnen Personen
- Gruppenchats und Kanäle
- Kommunikation ohne Mobilfunk und Internet
- Aufbau regionaler Funknetze mit mehreren Repeatern
- Kommunikation beim Wandern, Camping oder anderen Outdoor-Aktivitäten
- Kommunikation bei Strom-, Internet- oder Mobilfunkausfällen
- Ergänzende Kommunikation bei Katastrophen und Notlagen
- Übertragung von Standortinformationen
- Übertragung von Sensor- und Telemetriedaten, beispielsweise Akkuspannung oder Umweltdaten
- Aufbau dauerhaft betriebener, stromsparender Solar-Repeater
MeshCore nennt Off-Grid-Kommunikation, Emergency Response, Outdoor-Aktivitäten und Sensornetzwerke ausdrücklich als typische Einsatzgebiete.
Ist MeshCore ein Notfunksystem?
MeshCore eignet sich sehr gut als zusätzliches Notfall-Kommunikationssystem, sollte aber nicht mit einem behördlichen Notfunknetz verwechselt werden.
Der große Vorteil liegt darin, dass die Funkkommunikation selbst keine Infrastruktur eines Telekommunikationsanbieters braucht. Wenn beispielsweise Mobilfunk und Internet ausfallen, kann ein vorhandenes MeshCore-Netz weiterhin funktionieren, solange die einzelnen Funkgeräte und Repeater mit Strom versorgt werden.
Solarbetriebene Repeater sind dafür besonders interessant.
Es ersetzt allerdings nicht BOS-Funk, TETRA, öffentliche Warnsysteme oder den Notruf 112 und bietet keine garantierte Verfügbarkeit.
Wie weit reicht MeshCore?
Eine feste Reichweite gibt es nicht. Sie hängt extrem von Standort, Antenne, Gelände, Gebäuden und Höhe ab.
Zwischen zwei Geräten innerhalb eines Ortes können es unter ungünstigen Bedingungen nur wenige hundert Meter oder einige Kilometer sein. Von einem hoch gelegenen Standort können dagegen viele Kilometer bis mehrere zehn Kilometer möglich sein.
Und genau hier kommt das „Mesh“ ins Spiel: Eine einzelne Verbindung muss nicht die komplette Strecke überbrücken.
Zum Beispiel:
Sontra → Repeater auf Anhöhe → weiterer Repeater → Eschwege
Dadurch kann aus mehreren einzelnen Funkstrecken ein großes regionales Netz entstehen.
Sind Nachrichten verschlüsselt?
Hier muss man unterscheiden.
Direktnachrichten können verschlüsselt übertragen werden. Es gibt außerdem private Kanäle mit geheimem Schlüssel. Der normale öffentliche Kanal ist dagegen ausdrücklich als öffentlich anzusehen. Auch sogenannte Hashtag-Kanäle sollte man nicht als vertraulich betrachten, weil deren Schlüssel aus dem Kanalnamen abgeleitet werden kann.
MeshCore bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jede Kommunikation geheim ist.
Was ist das Besondere daran?
Der interessante Punkt ist die Kombination aus großer Reichweite, sehr niedrigem Energieverbrauch, günstiger Hardware und Unabhängigkeit vom Internet.
Ein kleiner LoRa-Repeater benötigt vergleichsweise wenig Energie. Dadurch lassen sich Stationen dauerhaft mit Akku und Solarpanel betreiben. Mit mehreren strategisch gut platzierten Repeatern kann so nach und nach ein regionales Kommunikationsnetz entstehen.
Kurz gesagt:
MeshCore ist ein offenes, unabhängiges LoRa-Funknetz, über das Menschen Nachrichten und Daten über große Entfernungen austauschen können – direkt oder über mehrere Repeater, ohne dass dafür Mobilfunk oder Internet erforderlich sind.
Das macht es besonders interessant für Off-Grid-Kommunikation, Outdoor-Anwendungen, technische Experimente und als zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit bei Ausfällen der normalen Infrastruktur.